Reisebericht 2023

Reisebericht 2023

  |  von Steffi Greuel   |  

In Arbeit

Zeitraum: 09. August 2023 - 16. August 2023
Reisende: Kerstin Hälker - Projektleiterin - Stiftung Wald schafft Zukunft
Steffi Greuel - Projektleiterin - Wald schafft Zukunft - Sambia e.V.
Reiseroute: Berlin - Lusaka - Sinazese - Choma - Berlin

Donnerstag, 10.08.2023

Ankunft

Los geht's: Der Flug verlief ruhig, und das Gepäck kam ohne Probleme an. Auch den Zoll passierten wir reibungslos mit unserem 2 x 46kg Gepäck. Diesmal hatten wir Fußbälle, Solarlampen, Buntstifte und Kleidung dabei. Bei unserer Ankunft erwartete uns Bob, um uns zur Unterkunft der Gossner Mission in Ibex Hill zu bringen. Hier übernachteten wir. Den Nachmittag nutzten wir, um unsere Sachen zu sortieren und unseren Plan für die kommenden Tage vorzubereiten.

Freitag, 11.08.2023

Reise nach Sinazese

Weiterreise nach Sinazese geplant: 340 km in 6,5 Stunden. Pünktlich um 8:00 Uhr trafen zwei vertraute Gesichter ein. Mable Sichali (Dekanin) und ihr Mann Maybin holten uns ab, um gemeinsam nach Sinazese zu fahren. Wir waren sehr erfreut, sie gesund und munter wiederzusehen. Mable ist Teil der United Church of Zambia und betreut das Selbsthilfeprojekt für Frauen der Gossner Mission. Wir waren auch ein wenig erleichtert über den guten Zustand des Autos – wir erinnerten uns noch an das Fahrzeug mit den Löchern in der Windschutzscheibe von unserer letzten Reise im Nordwesten.

Mazambuka - the sweetest town of Zambia

Mable und Maybin war es wichtig, uns auch ein wenig von ihrer Heimat zu zeigen. Also fuhren wir nach Mazambuka (direkt auf dem Weg), um die riesigen Zuckerrohrfelder zu besichtigen. Hinter den Feldern befand sich eine große, moderne Fabrik zur Zuckerherstellung. Die Produktionsreste werden zu Bio-Gas verarbeitet, die Gärreste gehen wieder auf die Felder (ähnlich wie in Deutschland die Produktion von Industriemais). Zuckerrohr ist in dieser Gegend ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Die Straße bis Choma war erstaunlich gut – frei von Schlaglöchern. Für sambische Straßen auf einer so langen Strecke eher ungewöhnlich. Wahrscheinlich hängt es damit zusammen, dass diese Straße in das bei Touristen beliebte Livingstone (Victoriafälle) führt. Kurz vor Choma bogen wir in Richtung Sinazese ab und trafen auf die vertrauten Straßen mit tiefen Schlaglöchern. Uns war es wie immer unverständlich, wie die LKWs, die zu den Mienen fahren, das aushalten.

Am Nachmittag erreichten wir KDF (Kaluli Development Foundation). Dort trafen wir auf Dr. Volker Waffenschmidt (Afrika-Beauftragter der Gossner Mission Berlin), Heidrun Fritzen (gegenwärtig Liason officer der GM Lusaka) und Milupi Silumesii (Geschäftsführer von KDF). Wir bereiteten den bevorstehenden Besuch bei der Maamba Spezial School vor und tauschten uns über laufende und mögliche zukünftige Projekte aus.

Samstag, 12.08.2023

Maamba Special School

Wir besuchten die Maamba Spezial School, trafen uns mit der Schulleiterin und einigen Lehrern zu Gesprächen und nahmen die bisherigen Veränderungen in Augenschein. Ein neuer Brunnen mit einem Wassertank und einer Solarpumpe war installiert worden, die Sanitäranlagen waren renoviert worden, und die Schlafräume hatten eine komplette Renovierung erhalten. Leider waren die Kinder aufgrund der Ferien nicht anwesend, da sie bei ihren Familien waren.

In der Schule gibt es noch einiges zu tun, und die Schulleitung überreichte uns eine Liste mit Wünschen, die mehr oder weniger realistisch sind. Zudem übergaben wir Kindermützen für die kalten Tage. Dies waren immerhin mehr als 100 Stück, die von fleißigen Helferinnen gestrickt und gehäkelt wurden.

Im Rahmen des gemeinsamen Schulgartenprojekts besichtigten wir auch den Schulgarten der Maamba Spezial School. Der Garten liegt etwas außerhalb Maambas. Der Schulgarten befand sich im Aufbau, präsentierte sich jedoch bereits ansprechend und gepflegt. Ein Brunnen ist gebohrt und ein entsprechend großer Wassertank errichtet. Die neue Solaranlage reicht für den Betrieb der Wasserpumpe. Der Garten ist gut eingezäunt und die Arbeiten zur Verlegung der Wasser- Tropf-Schläuche hatten bereits begonnen.

Aufgrund der Abgeschiedenheit wurde Watchman engagiert, der zugleich als Gärtner arbeitet und mit seiner Familie direkt am Garten wohnt. Er erhält eine kleine finanzielle Entschädigung für seine Arbeit und soll langfristig am Gewinn des Schulgartens beteiligt werden. Mit einem guten Gefühl setzten wir unsere Reise zum nächsten Schulgarten fort.

Maamba Mine School

Es läuft nicht immer alles glatt und man muss Rückschläge hinnehmen. So in der Maamba Mina School. Es schien, als wäre außer dem neu errichteten Brunnen und Wassertank sowie dem Zaunbau und dem Verlegen der Schläuche nichts passiert. Der Garten war voller Müll, es wuchs nichts, Ziegen liefen auf dem (neu eingezäunten!) Gelände umher, und die schlecht verlegten Schläuche waren bereits beschädigt. Hier wurde klar kommuniziert, dass die aktive Mitarbeit der Schule erwartet wird und welche Veränderungen bis zum nächsten Besuch im Januar erwartet werden. Info am Rande: Im Juni 2024 war der Garten ein völlig anderer: Zäune dicht, kein Müll und es wuchs Gemüse.

Kiyah

Im Anschluss besuchten wir einen jungen Unternehmer, der mithilfe eines UV-Geräts Brunnenwasser keimfrei aufbereiten und in kleine Plastiksäcke abfüllen konnte. Diese Plastiksäckchen verbrauchten weniger Plastik als herkömmliche Wasserflaschen. Das Unternehmen trägt den Namen “Kiyah”.

Im kommenden Jahr ist sogar ein Recyclingsystem geplant. Die Halle, in der dies geschah, war äußerst modern. Ein weiterer Zweck des Jungunternehmens war der Auf- und Weiterverkauf von Obst und Gemüse, welches von umliegenden Landwirten und Landwirtinnen, aber auch von Privatpersonen angeliefert wird.

Zusätzlich wurde ein Verfahren entwickelt, um die Früchte der Baobab-Bäume zu verarbeiten. Bisher hatten diese keinerlei Nutzen. Mit einem neuen Verfahren werden diese Früchte nun getrocknet und gemahlen und können mittels einer neu entwickelten Rezeptur hauptsächlich zu Viehfutter veredelt werden. Die Kerne der Früchte werden separat zu einem Speiseöl verarbeitet. Ein Projekt mit Potenzial!

Makonkoto Primary School

Zum Abschluss des Tages besichtigten wir den Schulgarten der Makonkoto Primary School, eine abgelegene Schule liegt tief im Hinterland. Die Schule verfügte über einen hervorragenden Schulgarten, der uns sehr beeindruckte. Kleine Schilder wiesen auf die verschiedenen Gemüsesorten hin.  Der Dünger und Schädlingsmittel wurden selbst hergestellt (aufgesammelter Kuhdung wird längere Zeit in Wasser gelagert und gibt über den entsprechenden Zeitraum die gewünschten Wirkstoffe frei). Insgesamt hinterließ der Schulgarten einen äußerst gepflegten Eindruck.

Sonntag, 13.08.2023

Auswertung und Stärkung

Den Vormittag nutzen wir für Gespräche, Auswertung und etwas Stärkung. Im Anschluss wurde bei KDF ein Fest veranstaltet, um Nchimunya Mandevu zu ehren, die im Rahmen des Freiwilligendienstes "Weltwärts" ein Jahr in Deutschland verbracht hatte. Sie wird nun (wieder) die Leitung des Jugendzentrums und die Betreuung des Erwachsenen- Ausbildungsprogrammes bei KDF übernehmen. Während des Festes wurden traditionelle Tänze aufgeführt, es wurde viel gesungen, gegessen und diskutiert.

Am Rande der Festlichkeiten trafen wir auch Maybin Mapili. Er wollte uns die Nanyanga Primary School in den Bergen ans Herz legen. Diese Schule ist nicht leicht zu erreichen. Die unbefestigte Straße, die durch starken Regen beschädigt wurde, ist nur für erfahrene Fahrer und robuste Fahrzeuge geeignet. Trotzdem vereinbarten wir, uns am nächsten Tag zu treffen, um die Schule zu besuchen.

Montag, 14.08.2023

Nanyangu Primary School.

Wir machten uns auf den Weg, etwa 10 km auf der anspruchsvollen Straße bergauf zur Nanyangu Primary School. Die Bewohner des Ortes wurden vor einiger Zeit aufgrund der Erweiterung des nahegelegenen Karibastaudamms in die abgelegenen Berge umgesiedelt. Ein großes Problem für Menschen, die vorher von Fischfang lebten.

Vor Ort befanden sich 2 Schulgebäude und mehrere Toilettenhäuschen in unterschiedlichem Zustand. Auffallend war die Bepflanzung des Schulgeländes mit jungen Obstbäumen, die ausreichend vor dem Verbiss durch frei laufendes Vieh geschützt waren. Leider ist der Brunnen des Dorfes und der Schule kaputt. Die einzige Wasserquelle ist ein nach Regenfällen aufgestauter Fluss, der vor der Regenzeit fast austrocknet und ca. 500 m entfernt ist! In der Schule fehlten grundlegende Dinge wie Toiletten, ein Lehrerhaus, Tische, Bücher usw.

Die Dorfbewohner*innen sind besonders motiviert und vor allem selbst aktiv. Die Bewohner brannten Steine, bauten ein Lehrerhaus und errichteten gemeinsam eine Kirche. Sie verfügten über eine Vereinigung zwischen Lehrern, Lehrerinnen und Eltern und hatten auch Pläne für einen Schulgarten. Zum Abschluss überreichten wir einige Mitbringsel.  Mit der Schule verblieben wir so, dass diese zuerst eine Liste mit Dingen, die gebraucht werden, anfertigt und wir dann sehen, ob und was wir tun können.

Hier erarbeiten wir aktuell gemeinsam mit der Gossner Mission ein Konzept. Den Brunnen haben wir aber bereits reparieren lassen.