Reisebericht 2025
| von Steffi Greuel |
Liebe Leserinnen und Leser,
unsere Projektreise im Juli 2025 führte uns in den Süden Sambias – gemeinsam mit der Stiftung «Wald schafft Zukunft», der Gossner Mission und einer Gruppe engagierter Menschen, die sich ebenfalls für die Zukunft Sambias einsetzen.
Die Reise fand in einer Zeit statt, in der Sambia von großen wirtschaftlichen und klimatischen Herausforderungen geprägt ist. Die Inflation ist hoch, Grundnahrungsmittel werden für viele Familien unerschwinglich. Gleichzeitig leidet das Land unter regelmäßigen Stromausfällen von bis zu 12–16 Stunden am Tag. Ursache sind sinkende Wasserstände im Karibasee, der als wichtigster Energiespeicher für die Wasserkraftwerke dient, sowie fehlende Investitionen in die Infrastruktur.
Besonders dramatisch sind die Folgen der anhaltenden Dürre. Die Regenzeit endete auch 2025 deutlich früher als erwartet, was zu schweren Ernteausfällen führte. Viele Familien stehen dadurch vor existenziellen Sorgen, und vor allem Kinder sind am stärksten betroffen.
Gerade in dieser schwierigen Situation zeigt sich, wie wichtig Bildung und Hilfe zur Selbsthilfe sind. Mit unseren Projekten stärken wir Schulen, unterstützen Frauen und eröffnen Kindern und Jugendlichen Perspektiven für ein besseres und sicheres Leben. Diese Reise hat uns gezeigt, wie viel schon erreicht wurde – und wo unsere Unterstützung weiterhin dringend gebraucht wird.
Dieser Bericht soll Ihnen einen Einblick in die Erlebnisse und Begegnungen vor Ort geben. Er zeigt nicht nur die Herausforderungen, sondern auch die Hoffnung, die entsteht, wenn Menschen über Grenzen hinweg Verantwortung füreinander übernehmen.
Vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Arbeit.
12.–13. Juli: Anreise nach Lusaka
Nach etwa 14 Stunden Flug über Addis Abeba erreichten wir Lusaka. Nach einer kurzen Eingewöhnung im Gästehaus Ibex Hill der Gossner Mission begannen die ersten Gespräche mit unseren Partnern und die Vorbereitung der Reise in den Süden.
Unsere Reiseroute:
14. Juli: Auf ins Gwembe-Tal – Ankunft in Sinazeze
Am 14. Juli machten wir uns früh auf den Weg in den Süden Sambias. Unser Ziel war das Gwembe-Tal, eine historisch geprägte und bis heute stark benachteiligte Region. Die Fahrt führte über zunehmend schlechtere Straßen, vorbei an Schlaglöchern, Steinbrüchen und den Kohleminen von Maamba. Beim Abstieg ins Tal änderte sich die Landschaft deutlich – trockener, heißer und sichtbar ärmer.
Das Gwembe-Tal
In den 1950er Jahren wurden für den Bau des Kariba-Staudamms über 55.000 Menschen umgesiedelt, darunter etwa 32.000 Tonga. Sie wurden auf höher gelegene, trockene Gebiete verlegt, deren Böden nur schwer zu bewirtschaften waren.
Bis heute prägen Armut, Ernährungsunsicherheit und fehlende Infrastruktur die Region.
Gerade deshalb sind Projekte wie Schulgärten, das Youth Skills Project und Frauenselbsthilfegruppen hier besonders wichtig – sie schaffen Perspektiven in einer Gegend, die lange von Umsiedlung und Verlust geprägt war.
Youth Center der KDF – Ein sicherer Ort für über 100 Kinder
Im Youth Center der Kaluli Development Foundation im Sinazongwe District erhalten täglich über 100 Kinder Unterstützung – nicht nur schulisch, sondern auch sozial und emotional.
Das Zentrum bietet:
- Lernhilfe am Nachmittag für Kinder, die zu Hause oft keinen Zugang zu Licht, Ruhe oder Unterstützung haben,
- Freizeitangebote wie Sport, Tanz, Musik, Malen und Spiele,
- Sichere Betreuung,
- erste berufliche Orientierung durch handwerkliche Aktivitäten wie Nähen, Holzarbeiten oder kleine Gartenprojekte.
Viele Kinder kommen aus sehr armen Verhältnissen. Im Zentrum finden sie einen Ort, an dem sie Kind sein dürfen – geschützt, wertgeschätzt und gefördert. Für viele ist es der einzige Raum, an dem sie unbeschwert spielen und gleichzeitig Fähigkeiten entwickeln können, die ihnen später helfen werden.
Das Youth Center ist damit weit mehr als eine Nachmittagsbetreuung: Es ist ein Ort der Hoffnung, der Stabilität und ein wichtiger Anker in einer Region, die mit Armut, Dürre und unsicheren Lebensbedingungen stark belastet ist.
Während unseres Besuchs konnten wir Spielzeuge, Trikots und kleine Geschenke übergeben – die Freude darüber war riesig und zeigte einmal mehr, wie wichtig dieser Ort für die Kinder ist.
15. Juli: Nanyangu Primary School
Am zweiten Tag besuchten wir die Nanyangu Primary School, eine abgelegene Schule im Berggebiet oberhalb der Kohleminen von Maamba. Rund 300 Kinder werden dort von engagierten Lehrkräften unterrichtet – trotz einfachster Bedingungen.
Wir waren bereits vor zwei Jahren hier, und auch diesmal beeindruckte uns die Motivation des Kollegiums. Der Ausbauplan für die Schule umfasst neue Klassenräume, Lehrerhäuser, Möblierung und Wasserversorgung. Doch ohne befestigte Straße bleibt das Projekt blockiert.
Deshalb führten wir Gespräche mit mehreren Behörden – dem District Council, dem District Health Office, dem District Education Board Secretary – und mit der Chieftainess von Sinazongwe, um auf die Dringlichkeit des Straßenbaus hinzuweisen. Erst wenn die Zufahrt gesichert ist, können Materialien transportiert und Bauarbeiten begonnen werden.
Eine Anfrage bei der Patrizia Foundation zur Mitfinanzierung wurde leider abgelehnt. Nun soll ein BMZ-Antrag vorbereitet werden (geplanter Start 2027). Die Zeit bis dahin nutzen wir, um gemeinsam mit der Gossner Mission und KDF den Straßenausbau aktiv voranzutreiben.
16.–17. Juli: Schulgärten und Field Day
Grüne Gärten, gesunde Mahlzeiten und Ernährungssicherung: In Sinazeze und Umgebung besuchten wir mehrere Schulgärten, die Teil des Umwelt- und Ernährungsbildungsprojekts sind. Insgesamt 12 Schulen sind derzeit beteiligt, 7 weitere kommen bis Mitte 2025 hinzu.
All das vereint das Schulgartenprojekt. Ziel ist es, Kindern und ihren Familien Zugang zu frischem Gemüse zu ermöglichen und gleichzeitig Wissen über nachhaltige Landwirtschaft zu vermitteln.
Die Schulen werden dafür mit Brunnen, Tretpumpen, Werkzeuge, Zäune sowie dürre-resistentes Saatgut unterstützt. Die Schulgärten werden von einem landwirtschaftlichen Experten der KDF begleitet, der sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler in ökologischen Anbaumethoden schult.
„Damit schließt sich der Kreis – Bildung, Ernährung und Nachhaltigkeit greifen ineinander.“
Steffi Greuel,
1. Vorsitzende WsZ - Sambia e.V.
Das in den Gärten geerntete Obst und Gemüse fließt direkt in die Schulmahlzeiten ein – ein wichtiger Beitrag zur ausgewogenen Ernährung der Kinder. Übersteigt die Ernte den eigenen Bedarf, können Schulen die Produkte verkaufen und den Erlös für Lernmaterialien oder kleine Anschaffungen nutzen.
Am 17. Juli fand der Field Day statt – mit rund 200 Gästen, darunter Vertreter des Bildungsministeriums. Die Maamba Special School gewann den ersten Preis für den besten Schulgarten.
Die Schulen präsentierten stolz ihre Gemüsebeete, erklärten Anbaumethoden und berichteten, wie der Verkauf der Ernte ihrer Schule hilft, Schulmaterialien zu finanzieren.
18. Juli: Maamba Special School
Die Maamba Special School war einer der emotionalsten Programmpunkte unserer Reise. Hier lernen und leben 150 Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen – in einem Land, in dem Inklusion nicht selbstverständlich ist. Die Kinder, die hier leben haben es besonders schwer.
In den vergangenen Jahren hat sich einiges getan:
- Schlafräume wurden renoviert
- Betten und Matratzen erneuert
- Sanitäranlagen erneuert
Trotz der bisherigen Maßnahmen werden weiterhin Dinge benötigt: sichere Zäune, damit das Gelände nachts nicht frei zugänglich ist, Lernmaterialien und eine Reparatur des Dachs des Speisesaals sind notwendig. Die Regierung plant derweil eine Secondary School. Ein wichtiger Schritt für die Zukunftssicherheit der Kinder.
19.–20. Juli: Austausch in Sinazeze
In Sinazeze trafen wir die Ausbilder des Youth Skills Project, das seit drei Jahren läuft und von BMZ und der Stiftung Wald schafft Zukunft kofinanziert wird. Bereits 100 junge Menschen haben hier ihren Abschluss auf dem Trades Test Level 3 erlangt – viele sind inzwischen angestellt oder selbstständig.
Ein Schwerpunkt war die Schneiderei im Jugendzentrum. Nach der Anstellung des Schneiders Timothy Chimpati wurde beschlossen, sie als achten Ausbildungsbetrieb auszubauen. Sie zieht in das größere, leerstehende alte Jugendzentrum um, das renoviert und mit zusätzlichen Nähmaschinen ausgestattet wird.
Am Abend nahmen wir Abschied von Dr. Volker Waffenschmidt, der nach 16 Jahren Arbeit in Sambia den Staffelstab an seinen Nachfolger übergab. Seine Arbeit hat die Grundlage für viele unserer gemeinsamen Projekte gelegt.
21.–25. Juli: Choma und Mazabuka – Frauenselbsthilfegruppen und Ausbildungszentrum
In den folgenden Tagen besuchten wir die Regionen Choma und Mazabuka. Hier entstehen derzeit beeindruckende Erfolge durch das Self Help Groups Project.
Mittlerweile bestehen 149 Gruppen mit über 2.000 Frauen, obwohl ursprünglich nur 30 geplant waren. Jede Gruppe besteht aus 15–20 Frauen, die gemeinsam in einen Topf sparen und dadurch Kleinkredite innerhalb ihrer Gruppe gewähren. Verzinst. Mit diesen Investitionen bauen sie kleine Geschäfte auf oder investieren in landwirtschaftliche Projekte. Beim Austausch mit den Frauen der Gruppen berichteten sie, dass sie durch das Projekt gelernt haben mit Geld umzugehen, zu sparen, unabhängig zu werden und ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen.
Außerdem gibt es Demoplots auf denen ökologische Anbaumethoden und Wassermanagement vermittelt werden. In beiden Regionen wurden Brunnen, Solarpumpen und Tanks installiert. Ziel ist die wirtschaftliche Selbstständigkeit der Gruppen, die langfristig als Kooperativen bestehen können.
Anschließend besuchten wir das St. Mawaggali Trades Training Institute (MTTI) in Choma – Partner des Youth Skills Project. Hier absolvieren die Lehrlinge ihre staatlichen Prüfungen Youth Skills Projects. Bald soll ein Container mit Tischlereimaschinen aus Deutschland eintreffen, um die Ausstattung weiter zu verbessern. Parallel läuft das MTTI als klassisches Ausbildungzentrum in denen unterschiedliche Berufe erlernt werden können.
26. Juli: Chipembi Girls Secondary School,
Zum Abschluss unserer Reise besuchten wir die Chipembi Girls Secondary School, etwa zwei Stunden östlich von Lusaka. Sie zählt mit 700 Schülerinnen und 37 Lehrkräften zu den leistungsstärksten Schulen Sambias und erreicht eine Abschlussquote von 100 %.
Unser Verein finanzierte die Sanierung eines neuen Toilettenblocks und 44 Doppelstockbetten sowie 88 Matratzen. Aktuell läuft die Sanierung des Speisesaals. Die Lern- und Lebensbedingungen der Mädchen verbessern sich spürbar – und jede Investition in diese Schule ist eine Investition in die Zukunft Sambias.
Fazit und Ausblick
Die Reise hat gezeigt, wie eng Zusammenarbeit und Wirkung miteinander verknüpft sind. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage wächst in den Projekten Zuversicht – getragen von Engagement, Eigeninitiative und Partnerschaft.
Unsere Schwerpunkte für 2026/27:
- Einsatz für den Straßenbau nach Nanyangu
- Förderung der Mädchenbildung in Chipembi
- Aufforstungsprojekt mit neuem Projektpartner
- Unterstützung Youth Center der KDF
- Ausstattung einer Kinderbibliothek in Lusaka
- Unterstützung weiterer Schulen
Wir sind dankbar für die vielen Begegnungen, die Offenheit und Herzlichkeit unserer Partner und die sichtbaren Fortschritte in allen Projekten.
Doch der Bedarf bleibt groß: sichere Schlafräume, funktionierende Sanitäranlagen, Lernmaterialien, Brunnen, Schulgärten, Ausbildungsplätze – all das entscheidet darüber, ob Kinder in Sambia eine faire Chance auf Bildung und ein selbstbestimmtes Leben bekommen.
Bildung bleibt der Schlüssel – für Hoffnung, Eigenständigkeit und eine bessere Zukunft in Sambia.
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